Gelesen: Benjamain Stein: Die Leinwand

Dass ein Autor in einem Roman mehrere Erzählstränge zusammenlaufen lässt ist normal, die Konsequenz, mit der Benjamin Stein dies in seinem Roman tut, dürfte einmalig sein. Stein schrieb ein “Wendebuch” – nein, kein Buch über die Wende von ’89 – sondern ein Buch zum Wenden.
Das Buch hat zwei Anfänge – die zugehörigen Enden liegen in der Mitte des Buches und es bleibt dem Leser überlassen, wo er beginnt, ob und wo er “zappt” oder ob er beide Geschichten einfach hintereinander liest. Mich trieb die Neugier, nach jedem Kapitel die Perspektive zu wechseln.

Zwei Personen, Amnon Zichroni und Jan Wechsler, erzählen ihre Lebensgeschichten. Natürlich gibt es Schnittpunkte zwischen beider Leben, beginnend damit, dass beide orhodoxe Juden sind und der gelebte Glaube in beiden Erzählungen eine große Rolle spielt.

Stein gelingt es beide Geschichten extrem fesselnd und spannend zu gestalten, ich als “Nichtjude” und bekennender Atheist bin begeistert von den Schilderungen aus einer anderen -ziemlich unvorstellbaren- aber eigentlich überhaupt nicht fremden Welt. Es ist ohne weiteres möglich, ja sogar die blanke Freude, den Gedanken der handelnden Personen zu folgen, auch wenn die Geschichte an sich teilweise schon phantastische Züge hat.
Zichroni ist seit seiner Kindheit in der Lage die Gefühle von Menschen, die er berührt, nachzuerleben…

Ich bin begeistert, die Liste meiner bedeutendsten Bücher ist um einen Titel länger.
Und fast nebenbei bin ich dann noch auf das Blog des Autors -turmsegler.net- gestoßen, ein wahres Schatzkästchen, Online-Lesestoff bis zum Abwinken. Wenn man hier ein wenig herumstöbert merkt man sehr schnell, dass Benjamin Stein durchaus eine Menge autobiographische Deatils in sein Buch gepackt hat.

Ich wünsche diesem Buch die Aufmerksamkeit  die es verdient. Ob das unbedingt die Spiegel-Bestsellerliste sein muss, wo es dann vielleicht neben “Hummeldumm” stehen würde – weiß und glaube ich aber nicht.
In die “Bücher der Woche”  der FAZ hat er es aber schon geschafft. Hier->

One Response to “Gelesen: Benjamain Stein: Die Leinwand”

  1. Pavic sagt:

    das Buch
    Hero und Leander sind schon in der Sage Liebende, deren Trennung erst der Tod aufhebt. Pavics Leander lebt als Kirchen- und Turmbaumeister im 17., Hero als Chemiestudentin im Belgrad des 20. Jahrhunderts. Nicht mehr das Meer, sondern die Zeit ist die Grenze, die die Liebenden trennt. Pavic erzählt zwei Geschichten vom Sterben und der Vereinigung, und das ist auch wörtlich zu verstehen: Die eine Geschichte lesen wir, wenn wir das Buch von vorne, die andere, wenn wir das Buch von hinten aufschlagen. Ein Buch über die Seele, über die Möglichkeit und Unmöglichkeit der Berührung von Menschen in Zeit und Raum.

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