Red Bull Air Race auf dem Lausitzring
Schon im zeitigen Frühjahr hatte ich gelesen, daß dieses hochspannende Air-Spektakel dieses Jahr Station auf dem Lausitzring macht. Auch wenn die Kulisse hier nicht annähernd so spektakulär ist wie vor der Skyline von Perth oder New York – diese tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten fast vor der Haustür – da mussten wir hin!
Der Wetterbericht versprach nicht gerade berauschendes Wetter, aber ganz hoffnungslos sah es auch nicht gerade aus. Wir packten unsere Taschen regelkonform d.h. max 1 l Getränk pro Person in PET-Flaschen(ungeöffnet), keine Regenschirme und all die Dinge für deren Verbot bei solchen Veranstaltung man durchaus Verständniss aufbringt wie Waffen, Drogen, Grills, Campingstühle usw. Auf dem fast 1,5 km langen Weg vom Parkplatz zum Eingang witzelten wir über die relativ vielen Menschen, die uns entgegenkamen, weil sie offensichtlich die Bedingungen nicht gelesen hatten und irgendwelche verbotenen Gegenstände mit aufs Renngelände nehmen wollten, die sie nun zum Auto zurückbringen mussten.
Der Andrang hielt sich insgesamt doch in Grenzen, die Schlangen an den Tageskassen waren vernachlässigbar kurz. Nur an der (angekündigten) Taschenkontrolle staute es sich etwas. Ein riesiger Berg Getränkeflaschen lag am Rand. Sollten tatsächlich so viele Leute die überall ersichtlichen Regeln nicht gelesen haben? Nein! Der Sicherheitsdienst hatte eigene Regeln aufgestellt und setzte diese knallhart durch: Regenschirme ja – was bei dem Wetter ja durchaus begrüßenswert gewesen wäre, wenn wir nicht so blöd gewesen wären unsere im Auto bzw. zu Hause zu lassen – keinerlei Getränke und nur Kompaktkameras. Da half keine Diskussion und der Verweis auf die direkt deneben ausgehängten Regeln. In typischer Ordnermanier wurde alles abgebügelt.
Also marschierte ich zurück zum Auto um Trinkflaschen und Spiegelreflex gegen einen Schirm und eine warme Decke zu tauschen. Die Mädels kümmerten sich derweil um die Plätze.
Wieder zurück am Einlass fiel sofort auf, dass der Flaschenberg nicht oder nur unwesentlich weiter gewachsen war, und das Personal zumindest teilweise ausgetauscht und wesentlich freundlicher auftrat. Offensichtlich war doch noch ein des Lesens kundiger Sicherheits-Mitarbeiter gefunden worden. ![]()
Solche Kleinigkeiten sollten uns den Tag aber nicht verderben…
Die Zeit bis zum Start des Qualifying um 14 Uhr verging, auch Dank des unterhaltsamen und informativen Programmes welches auf den Großbildschirmen gezeigt wurde recht schnell, zwischendurch wurden Hubschrauber-Kunstflüge vorgeführt und ich fand eine nette Einlass-Mitarbeiterin die mich noch mal aus dem Gelände hinaus und wieder hereinließ, damit ich auch die richtige Kamera holen konnte.
Punkt 14 Uhr startete der einzige deutsche Pilot Matthias Dolderer im 14köpfigen Aufgebot als erster um seine Runden um und durch die aufgestellten Pylonen zu fliegen.
Dann kamen Wind und Regen auf und das Rennen wurde unterbrochen. Der Regen wurde zwischezeitlich recht heftig so dass wir uns eines der rar gesähten trockenen Plätzchen suchen mussten und unter dem Dach des Erdbeerbowle-Wagens auch fanden.
15.20 Uhr ging es schließlich weiter, die nächsten Piloten durften starten. Nach dem insgesamt siebenten Starter gab es wieder eine kurze Unterbrechung wegen widriger Witterung. Diese dauerte zuerst bis 15.45, dann bis 16.20 und schließlich bis 17:20.
Da befanden wir uns aber bereits fast wieder zu Hause, was sich als richtige Entscheidung herausstellte, denn schließlich wurde das restliche Programm für heute komplett gestrichen.
Schade – aber klar und konsequent, Sicherheit für Aktive und Zuschauer muss eben nun mal höchste Priorität haben.
Mir tut es in erster Linie für die Veranstalter leid, gut – Red Bull wirds verschmerzen – aber der Lausitzsring und die beteiligten regionalen Unternehmen hätten eigentlich einen vollen (Kassen-)Erfolg verdient gehabt. Denn bis auf den Fehlgriff beim Sicherheitspersonal kann man allen Beteiligten wirklich ein großes Lob aussprechen: perfekte Organisation und toll geplante Veranstaltung, für das Wetter kann nun wirklich niemand etwas.
Bleibt zu hoffen daß das morgige Hauptrennen ordentlich über die Bühne gehen kann und viele Zuschauer kommen.
Danach pausiert das Red Bull Air Race für ein Jahr, ich vermute man will das Konzept überdenken und überarbeiten, da sich in der aktuellen Saison die Vorfälle, Unfälle und Beinahe-Katastrophen doch zu sehr häuften. Dieses Thema wurde durchaus selbstkritisch auch in einigen der zahlreichen Pausenvideos angesprochen. Dabei aber immerwieder auch betont, daß das größte Risiko für die Zuschauer bei dieser Veranstaltung wohl bei der An- und Abreise liegt.
Unbedingt erwähnenswert ist auch die informative und vorbildlich gestaltete Webseite der Veranstaltung, die Top-Piloten melden sich regelmäßig – auch während der Veranstaltung im Blog zu Wort, es gibt tolle Videos und Fotos.
Nachtrag 8.8.2010
Red Bull erstattet tatsächlich -wie es aussieht sogar sehr unkompliziert- die Eintrittstickets für das abgebrochene Qualifying – wirklich noble Geste. Hätte ich -zumindest in voller Höhe- nicht erwartet
