Das Hochwasser von 2002

Das Hochwasser vom August 2002 in Dresden

Am Abend des 11.August war in den Nachrichten zu hören, daß man in Dresden und Umgebung in den nächsten Tagen angesichts des angekündigten Dauerregens mit steigenden Wasserständen rechnen müsse.

Am Montag regnete es dann wie angekündigt äußerst heftig, selbst Regenschutzkleidung hielt nur wenige Minuten dicht. Ab Mittag fielen Straßenbahnen aus, irgendwo gab es erste Überschwemmungen, viele Menschen blieben lieber zu Hause. Ich persönlich hatte kurz nach 19 Uhr keinerlei Probleme mit dem Auto aus der Innenstadt nach Hause zu fahren. Über Radio und Fernsehen wurden Hochwasserwarnungen ausgegeben.

Am Dienstagmorgen regnete es weiterhin stark. Alle Dresdener Schulen blieben geschlossen, die Bevölkerung wurde aufgefordert zu Hause zu bleiben. Auf den Straßen wälzten sich Automassen in Richtung Stadt, die öffentlichen Verkehrsmittel hatten ihren Betrieb im wesentlichen eingestellt – wie ich nach einer halben Stunde vergeblichen Warten an der Bushaltestelle feststellen mußte. Also machte ich mich mich zu Fuß auf den Weg.[singlepic id=519 w=320 h=240 float=right]

An der Unterführung der Wernerstraße unter der „Neuen Nossener Brücke“ war Schluß. Nichts ging mehr:
An der Kesselsdorfer Straße war eine Überquerung der Weißeritz noch am längsten möglich. Ich kam leider zu spät. Man konnte zwar noch über die Brücke gehen, der weitere Weg über die Freiberger- oder die Oederaner Straße war überflutet.

Nun hatte ich keine Chance mehr auf Arbeit zu kommen. Ein kurzer Anruf klärte, daß ich da nicht der einzige war, und die die früh noch durchgekommeen waren, wollten auch versuchen so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Also machte ich mich entlang der Tharandter Straße wieder auf den Rückweg. Auch hier stieg das Wasser der Weißeritz unaufhaltsam.

[singlepic id=518 w=320 h=240 float=left]Nachdem ich mich zu Hause abgetrocknet und aufgewärmt hatte, zog ich wieder los um zu sehen, was das Hochwasser in der Gegend entlang der Tharandter Str., wo ich aufgewachsen bin, anrichtete. Im Radio hatte ich inzwischen gehört, daß die Talsperre Malter übergelaufen sei und zusätzlich begonnen würde, Wasser abzulassen. Warum erst jetzt? War es nicht die Aufgabe dieser und der anderen Weißeritz- Talsperren derart verheerende Hochwasser, wie sie vor hundert Jahren auch ohne globale Erwärmung durchaus üblich waren, zu verhindern. Wollte man den Badegästen der Malter den breiten steinigen Strand nicht zumuten, der dort eigentlich bei der leisesten Hochwassergefahr sein müßte? Wie dem auch sei, das Wasser war da und suchte sich seinen Weg.

[singlepic id=536 w=320 h=240 float=right]Am Nachmittag des 13.8. brach ich dann in Richtung Freital auf um zu sehen, wie die Lage sich dort gestaltete. Erster Anlaufpunkt war die Autobahnbaustelle neben der Begerburg. Der Blick in den Plauenschen Grund war erschreckend. Der Fluß breitete sich über die gesamte Breite des Tales aus.
Über Freital kreisten die Hubschrauber, die die eingeschlossenen Menschen aus den Häusern entlang der Dresdner Straße bergen wollten. Viel gab es für den Schaulustigen nicht zu sehen. Die gesamten Bahnanlagen am Potschappeler Bahnhof standen unter Wasser. Ein Durchkommen in Richtung Stadtmitte war unmöglich und der Verkehr ohnehin kurz vorm Kollaps, da mußte man sich nicht noch unnötig lange aufhalten.

[singlepic id=539 w=320 h=240 float=left]Das Wetter am Mittwoch, dem 14. August sah ganz freundlich aus, es waren auch weniger Sirenen und Hubschrauber als am Vortag zu hören. Allerdings steckte keine Zeitung im Briefkasten. Der Strom in der Innenstadt war immernoch ausgefallen, also konnte ich mir den Weg zur Arbeit sparen. Dennoch fuhr ich mit dem Fahrrad los um die Lage zu sondieren. Das Hochwasser der Weißeritz war weitgehend zurückgegangen, der Fluß war in seinem Bett aber dort wo er sich gestern noch über die Straßen ergoß, türmte sich der Müll und die angerichteten Schäden sind immens.

[singlepic id=545 w=320 h=240 float=left]An der Kesselsdorfer Straße war es nun schon wieder möglich über die Weißeritz zu kommen. Die Freiberger Straße war allerdings nur ein Stück passierbar. Sie sah schrecklich aus. In Höhe Hirschfelder Straße war dann Schluß.

Über die Budapester Straße war es aber möglich in die Innenstadt zu gelangen. Es waren auffallend viele Radfahrer unterwegs, mit Recht, denn man kam so viel schneller voran als mit dem Auto. An der Elbe bot sich das übliche Hochwasserbild. Die Schiffe schwammen über dem Niveau der Straße, alles sehr beeindruckend, aber schon dagewesen. Eventuell soll der Pegel ja noch steigen, dann wird es [singlepic id=549 w=320 h=240 float=right]möglicherweise wirklich problematisch, aber im Moment bin ich der Meinung, daß die schlimmste Katastrophe nicht vom Hochwasser der Elbe sondern von der Weißeritz herrührte. Überall wurden Keller ausgepumpt und Sandsäcke gefüllt. Das Wasser stand noch an ungewöhnlichen Stellen aber insgesamt sah die Situation nach Entspannung aus. Jetzt hängt alles davon ab, ob und wie die Elbe sich in den nächsten Stunden und Tagen verhält.

Am 15.6. kündigt sich dann ein Rekordhochwasser an der Elbe mit Pegelständen von 8,50 m und mehr an. In der Stadt herrscht eine eigenartige Ruhe, abgesehen von kreisenden Militär- und Rettungshubschraubern. Offensichtlich lassen viele Leute ihre Autos stehen, was solls auch, weit kommt man eh nicht, außerdem werden die Rettungs- und Hilfskräfte behindert.
Nahe der Elbe gelegene Viertel werden evakuiert. Da ich mir gestern eine Verletzung am Fuß zugezogen habe, muß ich auf größere Erkundungstouren verzichten.

[singlepic id=555 w=320 h=240 float=right]Nur einen Blick in den Plauenschen Grund habe ich mir gegönnt, um zu sehen welche Schäden nun nach dem Rückgang der Weißeritzfluten zu sehen sind.

Die Bahnstrecke nach Freital (Dresden – Chemnitz – Hof) ist hoffnungslos zerstört. Bis da wieder Züge fahren, werden wohl Monate vergehen, bis die Strecke wieder ICE-tauglich ist, erst recht.
Die Straße hingegen sieht, abgesehen von Schuttmassen, erstaunlich gut aus, wenn nicht an uneinsehbaren Stellen noch größere Schäden aufgetreten sind, wird der Autoverkehr vielleicht bald wieder Rollen können.

Ein trauriges Kapitel sind die Brücken über die Weißeritz, laut Zeitungsberichten sind die meisten nicht mehr benutzbar. Das wird auf lange Sicht zu gravierenden Verkehrsproblemen führen.

So gewaltig die Wasserstände der Elbe auch seien mögen, ich glaube daß kurze und kräftige Hochwasser der Weißeritz hat die schlimmeren Schäden verursacht, die auch nicht so schnell zu beheben sind. Die Elbe fließt vergleichsweise träge durch die Stadt, ihr „fehlt“ die Wucht der Weißeritz. Für die Bewohner der von der Elbe überfluteten Häuser ist das sicherlich kein Trost, aber ich vermute, die meisten von ihnen können ihre Häuser nach Reinigung und Reparatur weiter nutzen.

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