Anreise nach New York

Heute war es endlich soweit, unsere große und langerwartete Reise konnte beginnen. 6.00 Uhr waren wir auf dem Flughafen Dresden-Klotzsche. 6.45 Uhr konnten wir in „unsere“ Boeing 737-300 „Reutlingen“ einsteigen. Wie schon aus den Bordkarten zu erahnen war, gab es auf diesem Flug für uns keinen Fensterplatz. Da die Sicht wegen tiefhängender Wolken ohnehin gleich Null war, störte das aber nicht.
Pünktlich um 7.00 Uhr ging es los. Wir flogen in ca. 7000 m Höhe über Chemnitz, das Westerzgebirge und den Spessart nach Frankfurt, wo wir nach 50 Minuten sicher landeten. Auf dem Frankfurter Flughafen suchten wir uns ein ruhiges Plätzchen, jedenfalls für Frankfurter Verhältnisse ruhig, von dem aus wir auch die großen Anzeigetafeln im Blick hatten. Ehe wir uns versahen, wurde die Abfertigung für Flug LH 400 aufgenommen. Vorm Fenster des Wartesaals stand schon unser Airbus A-340 bereit und wurde mit Gepäck- und anderen Containern beladen. 9.30 Uhr durften wir einsteigen. Jetzt hatten wir einen Fensterplatz, hoffentlich gab es auch etwas zu sehen.
10.30 Uhr rollten wir endlich los. Auf dem Weg zur Startbahn wurden wir vom Kapitän begrüßt und erfuhren, daß unser Flugzeug ein ganz Neues ist, welches gerade mal 10 Starts und Landungen hinter sich hat und wir an seinem ersten Passagierflug teilnahmen. Wir flogen über Brüssel, den Ärmelkanal (wo freundlicherweise der dichte Wolkenteppich zu Ende war), London, Bristol und die Südspitze Irlands aufs freie Meer. Die Fluggeschwindigkeit variierte zwischen 800 und 970 Kilometern pro Stunde, die Flughöhe betrug 9000 – 9400 m, und die Außentemperatur -55 C.Um die Komplikationen bei der Einreise zu minimieren, wurde später mehrfach per Video gezeigt, wie Einreiseformulare und Zollerklärungen fehlerfrei auszufüllen sind. Kurz vor der Landung wurde noch ein Imbiß serviert und ein Film gezeigt, der uns die Orientierung auf dem JFK-Airport erleichtern, sowie die wichtigsten New Yorker Sehenswürdigkeiten näherbringen sollte. Anschließend wurden zur Erfrischung noch heiße Saunawaschlappen verteilt. Inzwischen tauchte unter uns schon der New Yorker Stadtteil Long Island auf. Nach 8 Stunden Flugzeit setzten wir um 12.30 Ortszeit fast pünktlich in New York auf.[singlepic id=100  float=left]

Da waren wir also. Nur das Wetter schien sich dieses historischen Momentes nicht bewußt zu sein, denn noch bevor unsere Maschine zu stehen kam, begann es aus dicken Wolken zu regnen. Allzusehr kümmerte uns das allerdings nicht, denn die ganzen Einreise- und Zollformalitäten würden recht viel Zeit in Anspruch nehmen und bis dahin hätte der Regen gewiß aufgehört. Ersteinmal mußten wir durch endlos lange Gänge des Flughafens laufen, bzw. auf Rollbändern rollen. Zum Glück brauchten wir nur der Herde folgen, man hätte sich sonst zu leicht verlaufen können. Endlich kamen wir in die Einreisehalle, die wir vor wenigen Minuten noch im Film gesehen hatten. Der Unterschied: Jetzt waren offensichtlich nur die Passagiere unseres Fluges anwesend. Ungefähr zwanzig besetzte Schalter warteten nur darauf, uns abzufertigen. Die Schlange, die sich gebildet hatte, wurde durch eine Angestellte rasch abgebaut, die den jeweils Ersten zu einem gerade freiwerdenden Schalter schickte. Im Nu waren wir an der Reihe. Ein Blick und ein Stempel in die Pässe, einer auf unsere grünen Formulare, der Abschnitt der für uns bestimmt ist wird abgetrennt und in die Pässe geheftet, ein freundliches Lächeln und „Bye“.
Na, wenn das so zügig auch beim Zoll geht, kommen wir doch noch in den Regen.
In der nächsten Halle setzen sich gerade die Gepäcktransportbänder in Bewegung und das Gepäck kam herein. Die ersten beiden Stücke waren unsere – unversehrt. Das hieß: Jetzt mußten wir vorangehen und hatten niemanden mehr, dem wir folgen konnten. Also ersteinmal vorsichtig umgesehen, aha, da winkt uns ein älterer Angestellter zu sich, wahrscheinlich ein Herr vom Zoll. Hoffentlich bemängelt er nicht, daß wir nicht alle Süßigkeiten, die im Flugzeug verteilt wurden, aufgegessen haben, sondern sie jetzt (illegal) einführen wollten. Aber er wollte nur die Zollerklärungen einsammeln, weder unser Gepäck noch die Pässe interessierten ihn, dafür wünschte er uns noch einen schönen Tag.
Fünfzehn Minuten nach der Landung des Flugzeuges verließen wir das Flughafengebäude und bekamen fast einen Schlag. Zwar nieselte es noch etwas, aber ein Thermometer am Eingang zeigte 100 F, was für einen Europäer gleichbedeutend mit 38 C ist – eine Luft wie im Treibhaus.Jetzt mußten wir ersteinmal sehen, wie wir eine Transportmöglichkeit in die City finden. Gut, Taxis gab es, aber sind wir Rockefeller? Nach Möglichkeit wollten wir einen Bus finden, der uns für 10 – 12 $ transportiert. Ein Fahrplan oder ähnliches war nicht zu entdecken, dafür etwas, das stark nach einer Haltestelle aussieht, und einige Jugendliche, die dort irgendwelche Zettel verteilten. Ob das vielleicht Fahrscheine sind? Nun ja, sehr vertrauenerweckend sah das alles nicht aus. Also liefen wir erst noch ein Stück. Ah, da ein Kleintransporter mit der Aufschrift „Gray Line Door to Door Service“. Laut Unterlagen unseres Reisebüros müßte uns so ein Ding bis vor unser Hotel fahren. Aber der Meinung war der Fahrer nicht. „Der Bus da drüben bringt euch in die 42. Straße“. Na gut, mal sehen, tatsächlich, für 11 $ (pro Person) bekamen wir ein Ticket, wurde uns das Gepäck entrissen, im Bus verstaut und wir durften Platz nehmen. Als wir den riesigen Flughafen mit seinen –zig Haltestellenhinter uns gelassen hatten, fuhren wir durch den Stadtteil Queens,[singlepic id=106  float=right] der seine vornehme Vergangenheit schon weit hinter sich gelassen hat. Unsere Hälse wurden immer länger, irgendwo müßten doch nun mal die Wolkenkratzer auftauchen. Endlich – da waren sie, in der Entfernung und dem Nebel sahen sie zwar nicht sonderlich majestätisch aus, aber die berühmte Silhouette war eindeutig zu erkennen. Durch den mautpflichtigen Queens-Midtown-Tunnel erreichten wir Manhattan. Ehe wir uns versahen, waren wir auch schon in der 42. Straße, allerdings Ost. Unser Hotel hatte die Hausnummer 515 und liegt somit im Westen. Erste Haltestelle war die Grand Central Station; die meisten anderen Fahrgäste stiegen aus. Uns konnte ja weiter nichts passieren, der Bus brauchte ja nur geradeaus fahren und schon wären wir da. Dachten wir! Jetzt begann erst einmal eine Stadtrundfahrt. Alle Hotels mit großem Namen wurden direkt angefahren. Unser „Travel Inn“ ist in keinem Reiseführer verzeichnet, also brauchten wir uns in dieser Richtung keiner Hoffnung hinzugeben. Aber wenn der Bus tatsächlich an der Port Authority Bus Station ankäme, wären es laut Stadtplan höchstens noch 10 Minuten zu Fuß. Broadway und Times Square, wo wir inzwischen waren, lagen wohl auch nicht allzuweit von unserem Hotel entfernt, aber wer weiß schon, ob im riesigen New York die Entfernungen nicht doch wesentlich größer sind als zu Hause.
[singlepic id=147  float=left]Dann tauchte ein Gebäude auf, Stahlträger, mit Rostschutzfarbe gestrichen und schmutziggraue Betonplatten. Nur so kann der New Yorker Busbahnhof aussehen. Und Tatsache – wir waren da, fast jedenfalls. Da war nur noch der Gepäckmarsch über 3 Blocks 42. Straße, die in diesem Viertel auch nicht mehr das Vornehmste ist, was Manhattan zu bieten hat. Jedenfalls hat uns niemand unsere Taschen entrissen, auch wenn manche Leute, denen wir begegneten, ganz so aussahen, als ob sie dazu fest entschlossen wären. Einmal wechselten wir sogar vorsichtshalber die Straßenseite und das war gut so, denn dadurch sahen wir wenige Meter vor uns ein goldenes Vordach und in großen Buchstaben „TRAVEL INN“. Geschafft.[singlepic id=148  float=right]
Im Hotel waren gerade zwei junge Frauen an der Rezeption um sich anzumelden. Sie holten ihren Hotelgutschein heraus, ausgestellt vom Reisebüro SUNTREK und sie sprachen deutsch. Wir waren alle vier froh festzustellen, daß wir soeben die ersten Mitreisenden getroffen hatten. Auch unsere Anmeldung ging problemlos über die Bühne. Wir erhielten unseren Zimmerschlüssel, fuhren in die sechste Etage, fanden Nummer 622 und fielen erst mal auf die Betten. Vom Flughafen bis hierher hatten wir genau 60 Minuten gebraucht. Von unserer Wohnungstür in Dresden waren auch gerade mal 15 Stunden vergangen. Das Hotel entsprach voll und ganz unseren Vorstellungen: riesige Betten, ein herrliches Bad, alles gemütlich eingerichtet und der Blick aus dem Fenster ging direkt zum Empire State Building. Im Innenhof des Hotels befand sich ein Swimmingpool, der auf Grund des Regens aber gerade nicht benutzt wurde.