Lake Tahoe und Bodie

Dienstag 21.09.93

Unser Frühstück nahmen wir an gleicher Stelle wie unser gestriges Abendbrot ein. Wenn man nicht zu große mengenmäßige Ansprüche stellte – Und welcher Europäer tut das bei amerikanischem Frühstück ? – brauchte man nur den Kaffee zu zahlen und selbst dabei nach amerikanischer Sitte nur die erste Tasse.

Am Stadtrand von Reno besuchten wir noch den Supermarkt, da es erstens heute abend spät werden könnte und zweitens an unserem heutigen Tagesziel kein Supermarkt vorhanden war.

Nun ging es in die Berge, endlose Serpentinen brachten uns in Höhen von 3000 m und mehr. Mitten in den Bergen liegt der Lake Tahoe einer der schönsten, höchsten und wohl auch touristisch erschlossensten Seen der USA. [singlepic id=143 w= h= float=right]

Die landschaftliche Lage ist wirklich wunderschön, aber ein einsames lauschiges Plätzchen am Ufer dürfte nur sehr schwer zu finden sein. Unweit vom Städtchen Tahoe City – schon im sonnigen Kalifornien – machten wir am Ufer unser Picknick. Jedenfalls versuchten wir es, außer uns waren nämlich noch dutzende hungrige Enten, Gänse und Schwäne da. Als wir glaubten, den Tieren genug von unserem Proviant abgegeben zu haben, „bedankte“ sich eine Ente durch einen Biß in Heikes großen Zeh.

Das Wasser war den meisten von uns zu kalt um darin zu baden, kein Wunder bei einer Höhe von über 2000 m über dem Meeresspiegel.

Als wir unsere Fahrt dann gestärkt fortsetzten und die um den See führende Straße verliesen kamen wir in eine Grenzkontrolle. In den USA ist das Mitnehmen von frischen Lebensmitteln, insbesondere Obst und Gemüse, über die Grenzen der meisten Staaten verboten. Fast nirgendwo wird dieses Verbot überhaupt kontrolliert. Aber zumindest Kalifornien ist da sehr eigen. Zwar wurden auch an diesem Kontrollpunkt die meisten Fahrzeuge durchgewinkt, wir jedoch nicht. Der Beamte wollte unsere Kühlboxen, die wir auf dem Dach mitführten, sehen. Das Frischobst, das im Wagen ziemlich hastig und oberflächlich versteckt wurde, interessierte ihn offenbar nicht. Bart stieg also aus, löste die Dachplane und öffnete die Kühlbox. Beamter: „Was ist das?„, Bart: „Tomaten“,- „Und das?“ – „Paprika“ – „Und da unten?“ – „Petersilie“ –
„Vielen Dank, angenehme Weiterfahrt!“.

In Richtung Süden ging unsere Fahrt weiter, die Gebirgspässe reichten fast an die 4000 Meter heran, an der Vegetation war das für uns nicht zu erkennen, die sah aus wie in den Alpen bei 1500m.

Kurz nach Bridgeport verliesen wir den Highway 395 und bogen nach links ins Gebirge ab. Die nur auf den ersten 15 km befestigte Straße führte uns nach Bodie. Diese ehemalige Goldgräberstadt ist jetzt eine sogenannte Geisterstadt, das heißt, außer den Parkbediensteten wohnt da niemand mehr. In der Blütezeit der Stadt, um 1880, wohnten hier ungefähr 10 000 Menschen. Diese Stadt galt als Hochburg des Lasters, Wirtshausschießereien standen auf der Tagesordnung, das unangenehme Klima hier mitten in der Wüste tat ein Übriges für den schlechten Ruf der Stadt.[singlepic id=95 w= h= float=left]

Ein kleines Mädchen, das mit seinen Eltern hierher ziehen mußte, schrieb in sein Tagebuch: „Ich verlasse Dich Gott, ich ziehe nach Bodie“. Dieser Satz erlangte im ganzen Westen Berühmtheit.

Obwohl auch hier viele Touristen waren, machte dieser Staatspark durch seine Einfachheit einen sehr angenehmen Eindruck auf uns. Den ganz großen Massentourismus, der mit seinen lärmenden, alles was irgendwie lose ist mitnehmenden Menschen, das baldige Ende dieser sehenswerten Stätte bedeuten würde, hält man durch die beschwerliche Anreise hierher recht gut ab. Die fehlenden Getränkeverkaufstellen oder -automaten vertrieben uns erst, nachdem wir uns gründlich umgesehen hatten.

Als wir wieder feste Straße unter den Rädern hatten, war es nicht mehr sehr weit bis Lee Vining. Dieses Städtchen liegt am Ufer des Mono Lake. Dieser See hat einen Salzgehalt des Wassers der ungefähr dreimal größer ist als der von Meerwasser, sieben Zuflüsse und keinen natürlichen Abfluß. Dennoch sinkt der Wasserspiegel hier seit den fünfziger Jahren rapide. Der Grund: Die Zuflüsse wurden zur Trinkwassergewinnung für Los Angeles angezapft. Durch das Absinken des Wassers traten am Ufer sehr eindrucksvolle Kalktufformationen hervor, die durch unzählige Mineralquellen im See gebildet wurden. Am Wasser lebt eine seltene, sehr aufdringliche Fliegenart, die schon Mark Twain nervte. Allerdings ist sie heute längst nicht mehr so zahlreich vertreten wie vor hundert Jahren. [singlepic id=127 w= h= float=right]

Vor kurzer Zeit wurde auf Betreiben von Naturschützern die Wassergewinnung aus den Zuflüssen gestoppt. Nun wird der See hoffentlich in 20 oder mehr Jahren seine ursprüngliche Größe zurückerhalten. Die Kalksäulen werden dann allerdings entweder von Touristen abgetragen oder aber wieder von den Fluten verdeckt sein.

Als wir mit der Besichtigung fertig waren, dämmerte es bereits stark. Die Sonne war schon längst hinter dem im Westen unmittelbar angrenzenden Hochgebirgszug verschwunden. Unser ursprünglich geplantes Bad in einer heißen Quelle mußte zwar ausfallen, da wir aber ohnehin alle sehr müde waren, hielt sich die Traurigkeit in Grenzen. Unsere Zelte hatten wir schon vorher aufgebaut, also brauchten wir nur noch etwas essen und konnten dann endlich schlafen. Unglücklicherweise wollten sich alle beim Essenkochen übertreffen, deshalb lies uns Hartmut, der gelernte Koch, heute noch fast zwei Stunden warten, bevor wir unseren Hunger mit zugegebenermaßen schmackhaften, wenn auch nicht ganz fertigen, Schaschliks stillen konnten.