New York

Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht und frischgemacht hatten, brachen wir gleich zu unserer ersten Erkundungstour auf. Erste Station war der Hafen, wo wir uns nach Möglichkeiten für eine Boots-Rundfahrt um Manhattan umsehen wollten. Das entsprechende Unternehmen hatte seine Anlegestelle in unmittelbarer Nähe der 42.Straße. Da es aber zeitweise noch etwas regnete, entschlossen wir uns, heute lieber die Innenstadt zu Fuß zu erkunden. Ersteinmal brauchten wir aber etwas zu essen. Nach längerem Suchen fanden wir auch einen kleinen Laden, der uns vertrauenerweckend genug aussah. Der nächste Anlaufpunkt war der Times Square, so etwas wie der quirlige Mittelpunkt Manhattans. Riesige Reklametafeln,[singlepic id=149 w= h= float=right] dicht bei dicht, Geschäfte und unendlich viele Menschen. Ein ideales Betätigungsfeld für Taschendiebe.
Über den Broadway bummelten wir dann in Richtung Empire State Building. Laut Anzeigetafel am Eintrittskartenschalter betrug die Sichtweite heute nur 8 Meilen (von bis zu 80 möglichen). Wir fuhren trotzdem hinauf, denn in erster Linie wollten wir ja Manhattan sehen, und dafür reichten auch 8 Meilen. Nachdem wir eine ganze Weile wohlgeordnet Schlange gestanden hatten, durften wir einen der 73 Aufzüge betreten, der uns erst einmal bis zur 70. Etage brachte. [singlepic id=115 w= h= float=left]Dort mußten wir aussteigen und wieder kurz anstehen, um dann bis zur Aussichtsplattform in der 86. Etage zu fahren. Es bot sich ein sagenhafter Anblick: New York von oben. Auf -zig Postkarten hatte man das schon gesehen, aber was man mit eigenen Augen sieht, ist eben doch etwas anderes. Wir befanden uns jetzt in einer Höhe
von 320 Metern über den Straßen. Hätten wir Lust gehabt, uns eine weitere halbe Stunde in eine Schlange einzureihen, hätten wir noch bis zur 102. Etage in 381 m Höhe fahren können. Für Leute, die nicht die Aufzüge benutzen wollen, führen 1860 Stufen von unten bis in die 102.Etage. Weitere wissenswerte Zahlen zum Empire State Building:
-6500 Fenster sind zu putzen,
-5600 km Telefonleitungen sind im Gebäude verlegt und
-60000 t Stahl wurden verbaut.
Erschreckt mußten wir feststellen, daß wir auch für die Rückfahrt schlangestehen sollten. Zum Glück reichte bald der Platz nicht mehr für beide Schlangen und das Treppenhaus wurde geöffnet. So hatten wir die Möglichkeit, zu Fuß in die 70. Etage abzusteigen. Von da ging es ohne Schlange per Aufzug bis ins Erdgeschoß. Die Aufzüge fahren mit Geschwindigkeiten zwischen 180 und 360 Metern pro Minute (11 – 22 km/h). Wieder auf der Erde machten wir noch einen Besuch bei Macie´s, dem nach eigenen Angaben größten Kaufhaus der Welt. Für unseren Geschmack war es etwas zu vornehm, jedenfalls die Abteilungen, die wir besuchten. Außerdem waren wir jetzt rechtschaffen müde. Deshalb marschierten wir zurück zum Hotel und fielen dort um 20 Uhr Ortszeit (4.00 Uhr MESZ) in die Betten.

Sonntag 05.09.93

Heute sah das Wetter schon besser aus, strahlender Sonnenschein weckte uns. Im hoteleigenen Coffee Shop nahmen wir ein echt amerikanisches Frühstück zu uns. Es gab Eierkuchen mit Spiegelei und Schinken. Die Eierkuchen konnte man sich auch mit Ahornsirup nachwürzen bzw. mit Butter bestreichen. Um das als Frühstück zu empfinden, muß man aber schon über einen etwas verdrehten Geschmack verfügen. Wenn unsere Mägen nicht rebellierten lag das wohl daran, daß sie, durch die Zeitumstellung etwas verwirrt, gerade mit einem warmen Mittagsmal rechneten. In amerikanischen Restaurants ist es obligatorisch, ein Trinkgeld von 15 % des Rechnungsbetrages zu geben, war man nicht gänzlich unzufrieden mit der Bedienung sollten es aber doch lieber 20% sein. Dazu muß man aber wissen, daß das Trinkgeld meist die einzige Bezahlung der Servicekräfte ist. Die Rechnung wird häufig an der Kasse bezahlt. Das Trinkgeld – hier Tip genannt – läßt man entweder auf dem Tisch liegen oder man trägt es in die extra dafür vorhandene Spalte der Rechnung ein.
Die Bootsrundfahrt um Manhattan hatten wir zugunsten einer Stadtrundfahrt durch die Stadt aus dem Programm gestrichen. Aus verschiedenen Prospekten, die im Hotel reichlich vorhanden waren, wußten wir, daß in der Nähe des Times Square verschiedene Unternehmen ihre Stadtrundfahrten begannen. Also liefen wir wieder dahin und sahen uns um. Direkt in der Mitte des Platzes konnte man Rundfahrten mit zwei verschiedenen Anbietern beginnen. Die Besonderheit bei beiden war, daß man ein Ticket kaufte, welches den ganzen Tag galt. Man fuhr also zu einer Sehenswürdigkeit, sah sich dort in aller Ruhe um und fuhr mit dem nächsten oder übernächsten Bus weiter. Da uns diese Idee gut gefiel, kauften wir also bei GRAY LINE NEW YORK TROLLEY zwei Tickets á 15 $ und fuhren als erstes zum Hafen. Von dort konnte man besagte Bootsrundfahrt unternehmen (wofür es sogar Rabatt gab) oder den Flugzeugträger US-Intrepit besichtigen. Letzterer beherbergt eine Ausstellung zur Luft-, Raum- und Seefahrt. Das Ganze machte uns aber einen zu militärischen Eindruck um unsere Zeit da zu verbringen. Deshalb fuhren wir weiter, am Westrand von Manhattan zur Südspitze der Insel. Dort befindet
sich der berühmte Financial District und auch die höchsten Gebäude der Stadt, die Twin-Towers. Zum ersten Mal verließen[singlepic id=119 w= h= float=right] wir unseren Bus und besichtigten das World Financial Center, in dessen glasüberdachtem Innenhof kalifornische Palmen wachsen. Durch verschiedene Gänge, die durch schwergängige Drehtüren voneinander getrennt sind, und über eine gläserne Fußgängerbrücke gelangten wir zu den Aufzügen des World Trade Center, die uns auf einen der beiden Türme bringen sollten. Bevor wir jedoch einsteigen konnten, mußten wir noch unsere Taschen kontrollieren lassen, eine Sicherheitsmaßnahme nach dem schweren Bombenanschlag vor wenigen Monaten. Nach einer reichlichen Minute waren wir in der 107. Etage. Die nähere Umgebung sah hier etwas anders aus als vom Empire State Building, so war z.B. die Freiheitsstatue wesentlich näher gerückt, aber der große Überblick unterscheidet sich bei beiden Gebäuden nur unwesentlich. Wieder auf festem Boden, sahen wir gerade einen unserer Rundfahrt-Busse davonfahren. Deshalb liefen wir das Stück bis zum Battery Park, der nächsten Station der Rundtour. Dort hat man die Möglichkeit, sich in die Schlange derjenigen einzureihen, die zur Freiheitsstatue übersetzen wollen. Da wir aber gehört hatten, und das im nachhinein auch bestätigt bekamen, daß man für diese Unternehmung einen Tag in der Warteschlange einplanen muß, begnügten wir uns mit einem Blick aus der Ferne. Dann warteten wir eine geschlagene Stunde auf den nächsten Bus. Das Konkurrenzunternehmen „New York Big Apple Tours“ hatte seine Haltestelle inzwischen dreimal angefahren; außerdem konnte man von deren offenen Doppelstockbussen sicherlich viel besser fotografieren, als durch die getönten und gravierten Scheiben bei Gray Line.

[singlepic id=137 w= h= float=left]Als wir dann endlich fortkamen, fuhren wir über die Wall Street, wo zum Sonntag aber Totenstille herrschte, zum South Street Seaport. Dort liegen alte Schiffe im Hafen mit denen teilweise auch Rundfahrten veranstaltet werden und nostalgische Geschäfte und Restaurants laden zum Bummeln ein. Geradezu atemberaubend ist jedoch der Kontrast zu den dahinterstehenden Wolkenkratzern. Auch die berühmte Brooklyn-Bridge ist von hier sehr schön zu sehen.

Weiter ging es mit dem Bus durch China-Town, Little Italy, SoHo und Greenwich Village. Wenn man mehr als nur einen Tag zur Verfügung hat, ist gewiß jedes dieser Viertel einen Ganztagsausflug wert. Am Empire State Building verließen wir den Bus wieder, um Mittag zu essen. Zwei Stunden später fuhren wir schon weiter, völlig entnervt und entkräftet.

Auf der weiteren Fahrt sahen wir das UNO-Gebäude, das Rockefeller Center und den Central Park. Da wollten wir eigentlich aussteigen, aber da der Busfahrer berichtete, daß dort ziemlicher Trubel herrschte, weil gerade wieder ein Tourist ausgeraubt wurde und aus Angst wieder Stunden auf den Bus warten zu müssen unterließen wir das dann doch.

Als wir wieder am Times Square ankamen, waren wir wie gerädert. Nach einem kurzen Geschäftsbummel verzogen wir uns daher ins Hotel. Neben der Hitze machte uns jetzt sicherlich auch die Zeitumstellung zu schaffen.

Um 20 Uhr fand auf der Dachterrasse des Hotels, direkt vor unserem Zimmer, der Begrüßungsabend unseres Reisebüros statt. Bei einem kühlen Drink lernten wir die meisten unserer Mitreisenden und unseren Reiseleiter kennen. Der Reiseleiter hieß Bart und kam aus Belgien. Bis jetzt bestand unsere Gruppe aus 7 Teilnehmern. Neben uns beiden waren da Lynda und Michelle, zwei Krankenschwestern aus England, Claudia und Christiane, die wir gestern schon an der Rezeption kennengelernt hatten, aus der Umgebung von Köln und Hartmut, ein Koch aus Erfurt, mit 44 unser absoluter Oldie, der fast kein Wort Englisch sprach.

Die Packzeit für den nächsten Tag wurde auf 8.30 Uhr festgesetzt. Um diese Zeit sollten wir mit unserem Gepäck abfahrtbereit in der Hotelhalle stehen und frühstückt haben.