Reno

Montag 20.09.93

Heute lag wieder einmal eine lange Etappe vor uns, ungefähr 900 Kilometer waren bis Reno zurückzulegen.

Unsere erste Pause legten wir allerdings schon nach kurzer Zeit ein, um mal ein paar Schritte in der Salzwüste zu tun. [singlepic id=140 w= h= float=right]Wenig später die nächste Rast am Bonneville Speedway. Auf dieser Rennstrecke, die wegen des glatten, widerstandslosen Salzbodens beliebt ist, werden in jedem Herbst Hochgeschwindigkeitsrennen gefahren und Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. Wie wir feststellten, kamen wir einen Tag zu früh. Am nächsten Tag sollte das Rennen steigen. Da jedoch alle Superfahrzeuge schon da waren, hatten wir zumindest die Möglichkeit, sie eingehend in Augenschein zu nehmen.

Die nächste Zeitzone, die wir an der Grenze zu Nevada erreichten, war die letzte unserer Reise. So hatten wir heute wieder eine Stunde mehr zur Verfügung.

Auf dem Highway und auf den Campingplätzen sieht man viele Wohnmobile, die allerdings von Größe und Ausstattung nicht mit denen in Europa vergleichbar sind. Die Größe eines mittleren Reisebusses ist Standard. In diesen mobilen Häusern fahren die Familien übers Land. Alles Hab und Gut ist an Bord. Wenn man nach einiger Zeit das Umherfahren satt hat, oder wenn kein Geld mehr da ist, wird das Fahrzeug verkauft oder in ein festes Haus umgetauscht und man geht wieder einige Jahre arbeiten. Der Pkw, der auch bei dieser Art zu reisen nicht fehlen darf, wird einfach ans Wohnmobil angehängt und gezogen. Heute begegnete uns nun ein Zeitgenosse, der auf dem Hänger seines Wohnmobils keinen Pkw, sondern einen Hubschrauber stehen hatte. So etwas ist gewiß nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten machbar.

Am frühen Nachmittag erreichten wir die am Rande der Sierra Nevada gelegene Spielerstadt Reno. Wir bezogen ein einfaches Motel, wo wir uns aus Kostengründen zu viert bzw. zu fünft in zwei Zweibettzimmern einmieteten, angesichts der riesigen Betten überhaupt kein Problem. Vom Motel erhielt jeder Gast einen Packen Gutscheine und Cuponheftchen, die in den verschiedenen Casinos in Spielchips oder Essen eingetauscht werden konnten.

Das Glücksspiel ist in den USA nur in Nevada und New Jersey, sowie in einigen Indianer-Reservaten erlaubt. Hunderte Meilen vor der Grenze Nevadas werben die Casinos sch an der Autobahn. Reno ist zwar von der Größe mit Las Vegas überhaupt nicht zu vergleichen, aber für Spielunkundige wie uns aufregend genug. Auf der Hauptstraße des Städtchens reihen sich Casinos aller Größen, Pfandleihen und Hochzeitskapellen aneinander. In diesen Hochzeitshäusern kann man auf die Schnelle für ein paar Dollar den sogenannten Bund fürs Leben eingehen. So mancher war später erstaunt, daß auch eine auf solch unkonventionelle Art geschlossene Ehe volle Rechtsgültigkeit hat.

[singlepic id=98 w= h= float=left]Das Treiben in den Casinos war, wie schon angedeutet, undurchschaubar. Obwohl man fast ununterbrochen das Rasseln von gewonnenem Geld in den Auffangschalen der Automaten hörte, war es bemerkenswert zu beobachten, wie schnell 50 $ verspielt sind. Wenn man nicht vom Spielfieber gepackt wird, gibt es – zumindest für mich- fesselnderes als die Casinoatmosphäre. Viele wenig vermögend aussehende Gestalten und alte Menschen versuchen ihre letzten Dollar auf wundersame Art und Weise zu vermehren.

Unser Abendbrot wollten wir heute unter Ausnutzung unserer Gutscheine so billig wie möglich zu uns nehmen. Dazu gingen wir in eins der vornehmeren Casinos, tauschten unsere Gutscheine in Essenwertmarken ein und warteten bis Plätze für uns frei wurden. Nach dem Prinzip, nur das teurere von zwei Essen zu bezahlen, bestellten wir also Gebratenes Huhn mit Reis und gebratenen Heilbutt, ebenfalls mit Reis. Zu beiden Essen gab es einen Salatteller von beliebiger Größe. Außerdem tranken wir Orangensaft und ein interessant aussehendes Mixgetränk. Alles in allem bezahlten wir für diese Mahlzeit 7,95 $, also ungefähr 10,-DM. Daß die Casinobesitzer dabei trotzdem noch ihren Schnitt machen, liegt auf der Hand. Jemand, der wirklich nur zum Essen ins Casino geht, ist doch eher die Ausnahme. Die beiden aus unserer Gruppe, die der Versuchung nicht widerstehen konnten, beim Essen Keno zu spielen, bezahlten dabei sozusagen unsere Rechnung mit. Keno ist eine Art Lottospiel, die Ziehung findet aller 15 Minuten statt und die Gewinnhöhe richtet sich nach der Höhe des Einsatzes. Beim Verlassen des Etablissements konnten wir dann die Stadt in ihrer vollen Beleuchtung durch die unzähligen Leuchtreklamen bestaunen. Im Gegensatz zum Anblick bei Tageslicht ist der nächtliche Anblick durchaus als Elegant zu bezeichnen.