Salt Lake City

Sonntag 19.09.93

8.30 Uhr am Morgen hatten wir unsere Sachen wieder gepackt und fuhren los. Ursprünglich wollten wir eine Aussichtsroute in Richtung Salt Lake City fahren und Bart hatte angedroht, jeden, der auf dieser Strecke schläft – was sonst eine unserer Lieblingsbeschäftigungen während der Fahrt war – eigenhändig umzubringen. Dazu kam es aber nicht. Großräumige Umleitungen überzeugten uns doch, die kürzere Highway-Strecke zu nehmen. Aber auch die Anfahrt zum Highway 15 durch die herrliche Bergwelt von Wyoming und Idaho bot uns herrliche Anblicke. Bei Idaho Falls erreichten wir dann allerdings den Highway und die Landschaft nahm wieder Wüstencharakter an. An einer Oasenraststätte machten wir mit unseren mitgebrachten Speisen Picknick.[singlepic id=139 w= h= float=right]

Gegen 14.30 Uhr erreichten wir Salt Lake City. Unser Campingplatz war direkt am Stadtrand gelegen und sehr schön. Einen kleinen Fehler hatte er allerdings – es wimmelte nur so von Bienen. Zum Glück schien das ein ziemlich friedliches Volk zu sein, denn trotz panischer Angst, die einige hatten, wurde niemand gestochen. Als wir die Zelte aufgebaut hatten, fuhren wir wieder in die City. Zuerst stand der Temple Square auf unserem Programm.

Schon beim Betreten des Tempelgeländes wird man von freundlichen Mormoninnen begrüßt. Man teilte uns sogleich mit, daß die nächste Führung in deutscher Sprache in wenigen Minuten beginnen würde. Als die Schwester, die uns führen sollte nicht ganz pünktlich eintraf, war sofort eine ihrer Kolleginnen zur Stelle, um uns die Zeit zu vertreiben und zu bedauern, daß sie selbst kein Deutsch spricht. Schließlich kam Schwester Neuhaus, eine Schweizerin, die hier eine Art Praktikum absolviert. Sehr freundlich und voller Stolz erklärte sie uns die Geschichte der Stadt und der Mormonen. Es ist schon beachtlich, was hier Menschen vollbracht haben. Mitten in der Wüste eine blühende Großstadt mit heute ungefähr einer Million Einwohnern zu errichten, dazu gehört schon etwas mehr, als ein paar Wasserrohre, die Wasser aus den Bergen heranbringen. [singlepic id=145 w= h= float=left]

Der Mormonentempel selbst ist für Nichtmormonen allerdings tabu. Aber auch das schlichte Tabernakel, Sitz des berühmten Tabernacle Chores, beeindruckte uns. Die Akustik des Saales wurde anhand einer fallenden Stecknadel vorgeführt, deutlich war der Aufschlag zu hören. Dann ließ die Schwester einen Nagel fallen, dessen Aufschlag auch in der letzten Ecke nicht nur deutlich, sondern regelrecht laut zu vernehmen war. Anschließend besuchten wir noch eine Halle mit einer riesigen Jesus-Statue, die in vielen Sprachen ihre Kommentare von sich gab – Kitsch.

Um uns rasch wieder an das weltliche Leben zu gewöhnen, machten wir später noch einen Einkaufsbummel in der City.

Gegen Abend trafen wir uns alle wieder, fuhren zum Supermarkt und anschließend zum Zeltplatz.

Für später hatten wir uns vorgenommen, ins Kino zu gehen. Dieses war unmittelbar neben dem Temple Square gelegen. Obwohl es nach 21 Uhr war, und der Rest der Stadt wie ausgestorben schien, waren viele junge Menschen und mit ihnen Kind und Kegel vorm Tempel versammelt. Wahrscheinlich fand noch eine Abendandacht oder etwas in der Art statt. Im Kino waren wir fast die einzigen Gäste, obwohl der Film – „The man without face“, wie wir später in der Zeitung lasen, in den USA ein ziemlicher Hit war. Angenehm fiel auf, daß die unvermeidliche Werbung sich nur um neue Filme drehte, keine Zigaretten, kein Mineralwasser und auch keine Versicherung. Der Film gefiel allen ganz gut, die Damen weinten ein wenig und alle waren Stolz das Wesentliche verstanden zu haben.