San Francisco

Freitag 24.09.93

Während wir eifrig unsere Zelte und die Küchenausrüstung reinigten, fuhr Bart den Bus in die Waschanlage, damit der [singlepic id=136 w= h= float=right]wieder seinen fast vergessenen Glanz zurückerhielt. Insgesamt waren wir schneller als erwartet und gewannen dadurch Zeit, die wir zu einem kurzen Bummel durch die historische Altstadt von Sacramento nutzten. Neben hübschen Schaufelraddampfern auf dem Sacramento Rider und historischen Eisenbahnen gab es einige alte Häuserblocks mit vielen Souvenirgeschäften zu sehen.

Am Rande der Stadt, in einem kleinen Park, brauchten wir noch unsere restlichen Lebensmittelvorräte auf. So gestärkt traten wir die letzte Tagesetappe von nur 80 Kilometern an.

[singlepic id=105 w= h= float=left]Je näher wir dem Pazifik kamen, desto mehr Dunst zog auf. Dann war es soweit, vor uns erstreckte sich die viel besungene San Francisco Bay. Am anderen Ufer war die Silhouette der Stadt zu erkennen. Über die obere Fahrbahn der doppelstöckigen Oakland-Bay-Bridge fuhren wir, mit Fotostop auf der Yerba Buena Insel, in San Francisco ein.

Da es noch ziemlich früh war, hatten wir Zeit noch eine Stadtrundfahrt zu machen. Zuerst fuhren wir über die Uferstraße zu Fishermans Wharf, anschließend ging es durch schmale Straßen, bergauf und bergab zur Lombard Street. Diese Straße windet sich in sehr schmalen, kurzen Serpentinen zwischen den Häusern am Berg hoch und ist nur für PKW und nur bergab befahrbar. Der einzige Sinn einer Fahrt auf dieser Straße dürfte es sein, einmal auf der gewundensten Straße der Welt gefahren zu sein. Aber auch die anderen Straßen der Stadt haben es in sich. Wer hier beim Parken am Berg vergißt, die Räder einzuschlagen und die Handbremse fest anzuziehen, braucht eine gute Versicherung.

Wir fuhren als nächstes zur weltberühmten Golden Gate Bridge, die etwas außerhalb der Stadt liegt. Passiert man sie in stadtauswärtiger Richtung, braucht man keinen Zoll zu zahlen, dafür ist man auf dem Rückweg dran. Heute hatte sich die Brücke majestätisch in Wolken eingehüllt, dennoch fuhren wir auf die andere Seite. Dort war an einem Aussichtspunkt eines der Halteseile im Querschnitt dargestellt, dieser entspricht ungefähr dem eines ordentlichen alten Baumes. Damit die Brücke immer in ihrer leuchtendroten Farbe erstrahlt, ist ein Trupp Arbeiter ständig damit beschäftigt, den Anstrich zu erneuern. Wenn die einmal um die ganze Brücke herum sind, geht es wieder von vorne los. [singlepic id=122 w= h= float=right]

Wieder in der Stadt zurück besichtigten wir noch die historischen viktorianischen Häuser am Alamo Square, um dann zum Hotel zu fahren.

Das Ramada Inn machte einen recht vornehmen Eindruck auf uns. Wir mußten unseren Van so schnell wie möglich entladen, da der einzig Platz, wo dies überhaupt ging, die Einfahrt des Parkhauses war. Im Foyer des Hotels herrschte reges Treiben, viele Reisegruppen waren ungefähr zeitgleich mit uns angekommen. Als wir uns an der Rezeption bis fast nach vorn durchgearbeitet hatten, waren auf einmal alle Zimmer vergeben, jedenfalls die gereinigten. Wir wurden gebeten zwanzig Minuten zu warten. Nach einer guten Stunde und mehrfachem Nachfragen bedauerte ein leitender Angestellter das Mißgeschick. Wir könnten jetzt unsere Zimmerschlüssel in Empfang nehmen. Nur der unendlich lahme Schalterbedienstete war wohl noch nicht ganz soweit. Es verging noch einmal eine halbe Stunde bis wir endlich unser Zimmer beziehen konnten. Der Trost – es war sehr schön, bis auf den Blick in den Innenhof. Lange schon hatten wir uns darauf gefreut, uns mal wieder ein richtiges Wannenbad zu gönnen. Wir hatten dafür auch ausreichend Zeit, ehe wir uns am Abend in der Hotelhalle alle zum letzten Mal trafen. Da aus irgendeinem Grund eine ganze Weile kein Taxi aufzutreiben war, spazierten wir nach Chinatown, wo Bart in einer Gaststätte Plätze reserviert hatte.

Das hiesige Chinatown ist übrigens mit 80.000 Einwohnern die größte chinesische Enklave des amerikanischen Kontinents.

Die auf dem Weg zu überwindenden Höhenunterschiede erinnerten uns an eine mittlere Bergwanderung. Das Essen war sehr reichlich und schmeckte ausgezeichnet, wenn wir auch nicht immer so genau wußten, was wir gerade zu uns nahmen. Dazu gab es, bei Bedarf, frisch aus Peking eingeflogenes Bier, das gar nicht mal schlecht schmeckte.

Nun war es soweit, wir mußten uns verabschieden. Bart hatte morgen früh das Fahrzeug in Santa Rosa zu übergeben, Heike und Ulrike hatten sich ein preisgünstigeres Hotel unweit des Restaurants gesucht, und Sandra mußte morgen schon zurückfliegen. Mit Claudia und Christiane verabredeten wir uns noch einmal für den nächsten Abend.

Müde fielen wir in unsere Betten und schliefen wie die Murmeltiere, schließlich hatten wir die Nacht lange nicht mehr in einem Bett verbracht.

Sonnabend, 25.09.93

Unser erster Weg führte uns ins Besucherzentrum von San Francisco, wo wir uns mit Stadtplänen und anderen Informationsmaterialien eindeckten. Über Mason Street und Columbus Avenue marschierten wir dann Berg auf und Berg ab zur Fishermans Wharf. Dieser ehemalige Fischereihafen ist heute mit seinen vielen kleinen Läden ein großer Anziehungspunkt für Touristen. Neben Fisch und anderen Meeresfrüchten kann man auch unheimlich viel Kitsch und bei gründlicherem Suchen auch einiges Nützliche kaufen. Besonderen Spaß macht der Einkauf in der Cannery, einem zum Kaufhaus umgebauten alten Fabrikgebäude, wo auch mehrere Restaurants zum Verweilen einladen.[singlepic id=107 w= h= float=left]

Nachdem wir uns ausreichend umgesehen hatten, gingen wir zur Cable Car um uns wieder zur Market Street zurückbringen zu lassen. Dieses originelle Verkehrsmittel ist eine Kreuzung aus Straßenbahn und Standseilbahn. Zwischen den Schienen der Bahn läuft unterirdisch ständig ein Seil um. Die Wagen der Bahn hängen sich mittels eines zangenartigen Greifers, der vom Schaffner bedient wird, am Seil fest und werden so zur nächsten Haltestelle gezogen. Dort wird das Seil während des Halts losgelassen.

Früher gab es in San Francisco vielen derartige Straßenbahnlinien, heute sind noch drei übriggeblieben, die wohl in erster Linie Touristensensation sind. An den Endhaltestellen werden die Wagen von zwei Schaffnern auf einer hölzernen Drehscheibe umgedreht da sie konstruktionsbedingt nur in einer Richtung gezogen werden können.

Wir bummelten zurück zum Hotel um ein Mittagsschläfchen zu machen, irgendwie waren wir doch etwas müde geworden. Nachdem wir ausgeruht waren, machten wir noch einen ausgiebigen Einkaufsbummel auf der Market Street. Im dortigen Kaufhaus konnte man unter musikalischer Begleitung eines Live-Pianisten seine Sachen einkaufen. Diese Straße hatte wahrscheinlich auch schon bessere Zeiten gesehen. Viele Bettler und andere zweifelhafte Gestalten gaben einem nicht gerade das Gefühl gut behütet zu sein. Auch der Handel mit Drogen auf offener Straße war zu beobachten. Wahrscheinlich sollte man sich aber von so etwas nicht den Tag verderben lassen, da es nun einmal zum Alltag in amerikanischen Großstädten zählt.

Abends gingen wir dann mit Christiane und Claudia noch in eine feine Pizzeria, wo wir die letzten freien Plätze und hervorragende amerikanische Pizzas bekamen.

Im Hotel schwatzten wir noch eine Stunde, bevor wir uns verabschiedeten und den beiden noch eine schöne Weiterreise wünschten. Ihre Reise war nämlich erst zwei Wochen später in Las Vegas zu Ende.

Bevor wir ins Bett gingen bestellten wir im Hotel noch ein Flughafen-Taxi für den nächsten Tag.

Sonntag 26.09.93

Den heutigen Vormittag verbrachten wir nochmals in der City. Als erstes mußten wir ein paar Reiseschecks „kleinmachen“, da uns nach unserem gestrigen Abend ganze 2 $ Bares geblieben waren. Dann konnten wir endlich bei Burger King ein kombiniertes Frühstück/Mittagessen zu uns nehmen.

Zwischendurch machten wir noch ein paar Fotos um den letzten Film auch noch voll zu bekommen.

Im Hotel packten wir unsere Sachen zusammen und nahmen noch schnell ein Bad. Anschließend meldeten wir uns ab und nahmen die Rechnung in Empfang.

Pünktlich 12.40 Uhr kam unser Airport-Shuttle und brachte uns zum Flughafen, welcher weit weg vom Hotel, aber immernoch mitten in der Stadt lag.

Nun hatten wir noch fast zwei Stunden Zeit, die wir uns aber auf dem großen Flughafen ohne Probleme vertreiben konnten. Vor dem Fenster sahen wir schon unsere Boeing 747-400 „Mecklenburg-Vorpommern“, um 15.30 Uhr wurde dann geordnet nach Sitzreihen zum Einsteigen aufgerufen. Unsere Plätze waren in der ersten Reihen der Economy-Class, aber leider in der Mitte. Aus den Fenstern sehen konnten wir als kaum und um einen Blick auf die Fernseh-Monitore zu werfen, mußten wir uns die Köpfe auch ganz schön verrenken. Pünktlich 16 Uhr starteten wir und konnten dank einer engen Kurve, die unser Pilot flog, doch noch einen Blick auf die Stadt an der Bay werfen. Ein Fensterplatz hätte uns jetzt sicherlich ein schönes Foto ermöglicht. Entgegen unserer Fahrtroute der letzten Tage flogen wir über Sacramento, Lake Tahoe und Reno in Richtung kanadischre Grenze. Anhand der Zeit die wir hierfür benötigten, wurde uns noch einmal richtig klar, was für Entfernungen wir in den letzten drei Wochen zurückgelegt hatten.