Yellowstone National Park

Donnerstag 16.09.93

Heute konnten wir wieder etwas länger schlafen, Abfahrt war erst 8 Uhr. Entlang des Buffallo Bill Reservoir und des Shoshone Rivers fuhren wir durch den Shoshone National Forest nach Wapiti. Auf einer dortigen Ranch waren die Pferde für uns schon gesattelt. Wer Lust, Mut und 30 $ übrig hatte, konnte an einem Ausritt in die Rocky Mountains teilnehmen.

[singlepic id=129 w= h= float=right]Die Pferde kannten den Weg und benahmen sich größtenteils nett zu uns . Der Weg führte steil nach oben über Geröllhalden und durch Wildbäche. Die uns begleitenden Cowboys hatten keine Mühe, die Gruppe zusammenzuhalten und so kamen wir nach zwei Stunden wieder wohlbehalten an der Ranch an. Die ersten Schritte danach fielen nicht ganz leicht, insbesondere denen, die, wie ich, zum ersten Mal auf einem Pferd gesessen hatten.

Weiter führte unsere Fahrt in den Yellowstone National Park. Für die meisten von uns wohl einer der absoluten Höhepunkte der Reise. Dieser Nationalpark ist der größte der USA und der älteste überhaupt. [singlepic id=131 w= h= float=right]

Frühe Pioniere hatten dieses Wunderland von heißen Quellen und Geysiren entdeckt, die periodisch Dampf oder auch Schlamm hoch in die Luft schleuderten. Das brachte schon früh Regierungsgeologen in diese Gegend. Nach sorgfältiger Vermessung und Bestandsaufnahme beschloß man, dieses Naturwunder nie in private Hände fallen zu lassen, sondern es dem amerikanischen Volk für immer zu erhalten. So wurde dieses Naturparadies bereits 1872 zum Nationalpark ernannt.

[singlepic id=118 w= h= float=left]Wir steuerten zuerst das Upper Geyser Bassin an, wo sich unter anderem der eindrucksvollste der Yellowstone-Geysire, der Old Faithful, befindet. Dieser Geysir bricht häufiger als andere große Geysire aus, aber er ist nicht der größte und auch nicht der regelmäßigste Geysir im Park. Der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Eruptionen beträgt bei ihm 75 Minuten, er schwankt jedoch zwischen 45 und 100 Minuten. Eine Eruption dauert 1½ bis 5 Minuten und schleudert 14000 bis 32000 Liter kochendes Wasser in Höhen von 30 – 35 Metern. Obwohl sich die Eruptionsabstände mit den Jahren durch Erdbeben und Vandalismus vergrößert haben ist Old Faithfull noch genau so eindrucksvoll wie vor hundert Jahren. Wir erlebten zwei dieser Eruptionen, bei der ersten hatten wir uns allerdings in der Windrichtung verspekuliert und so sahen wir lediglich viel Wasserdampf.

In der Umgebung von Old Faithfull befinden sich noch viele kleinere aber nicht weniger eindrucksvolle Geysire, an die man auch näher herankommt als an ihren berühmten Kollegen.

Nachdem wir noch verschiedene Geysire besucht hatten, machte sich langsam eine gewisse „Geysirmüdigkeit“ breit. Deshalb steuerten wir nun Grant Village an, wo wir einen Zeltplatz reserviert hatten. Dieses Glück hat man mit ziemlicher Sicherheit nur außerhalb der Saison. In der Hauptreisezeit sind die Campingplätze in allen großen Nationalparks schon lange Zeit im voraus ausgebucht. Wie alle Yellowstonecampingplätze verfügte auch dieser nur über kaltes Wasser und keine Duschen. Da in diesem Park relativ viele Bären leben und sich insbesondere die Schwarzbären von menschlichen Mitbringseln ernähren, ist es streng verboten, alles was irgendwie nach Nahrung aussieht oder auch nur so riecht, wie z.B. Zahnpasta, außerhalb verschlossener schlagfester Behälter bzw. Kraftfahrzeuge zu lagern. Die eigentliche Gefahr stellen aber eher die Parkranger dar, die scharfe Kontrollen durchführen und gegebenenfalls saftige Strafen verhängen. Als wir unsere Zelte aufgeschlagen hatten fing es plötzlich an zu regnen, allerdings waren das nur kurze Schauer, die dafür aber die ganze Nacht anhielten.

Freitag 17.09.93

[singlepic id=117 w= h= float=right]Nachdem wir vom Klappern unserer Zähne munter geworden waren und uns mit heißem Tee wieder einigermaßen aufgetaut hatten, fuhren wir kurz nach 8 Uhr wieder los. Die Zelte konnten wir stehenlassen, denn am Abend wollten wir wiederkommen. Immer am Ufer des riesigen Yellowstone Lake entlang fuhren wir über Fishing Bridge zum Mud Volcano. Dort gab es wieder unzählige mehr oder weniger aufregende Geysire zu sehen. Weiter ging es zum Grand Canyon of Yellowstone, nicht mit seinem großen Bruder in Arizona zu verwechseln. Trotzdem und trotz des Morgennebels boten sich uns großartige Ausblicke auf das Tal und die beiden riesigen Wasserfälle. Die Lower Falls beispielsweise haben eine Höhe von 93 m. Damit sind sie fast doppelt so hoch wie die Niagarafälle, allerdings nicht annähernd so breit.

Unser nächstes Ziel waren die Tower Falls. Auf dem Weg dahin durchfuhren wir riesige Wälder oder das, was davon übrig ist. 1988 war das trockenste Jahr in der aufgezeichneten Geschichte des Nationalparks. Die dadurch verstärkt auftretenden Waldbrände, jeweils ungefähr zur Hälfte hervorgerufen durch menschliche Fahrlässigkeit und natürliche Ursachen, vernichteten ungefähr 45 Prozent des Waldbestandes. Im Yellowstone Park existierte die Richtlinie, kleinere Waldbrände zwar zu kontrollieren aber ihnen freien Lauf zu lassen, solange sie keine wesentlichen Schäden anrichten. Denn in der Natur spielen Waldbrände eine nicht zu unterschätzende Rolle für das ökologische Gleichgewicht. Viel zu spät begann man daher mit dem Versuch, die Brände zu löschen. Trotz immenser Anstrengungen war dies inzwischen ein sinnloses Unterfangen. Erst die ab 11. September einsetzenden Schneefälle waren in der Lage dem Wüten der Flammen Einhalt zu gebieten, die sich bis dahin mit bis zu 16 km pro Tag ausbreiteten. Der Tierbestand wurde durch das Feuer um 257 Elche, 9 Bisons, 4 Rehe und zwei Hirsche und unzählige Kleintiere reduziert. Von Seiten der Parkverwaltung wird trotz des schrecklichen Anblicks auf die Selbstheilungskräfte der Natur vertraut. So haben zukünftige Parkbesucher auch die Möglichkeit über Jahrzehnte zu beobachten ob und wie die großen Wälder ohne menschliches Eingreifen neu heranwachsen.

Die Mittagszeit verbrachten wir in Mammoth Hot Springs. Als erstes besuchten wir die namensgebenden Quellen mit ihren ansehenswerten Salzterassen. Die meisten der heißen Quellen im gesamten Nationalpark haben übrigens ihren eigenen Geruch nach Schwefelwasserstoff und anderen, ähnlich „wohlriechenden“ Verbindungen. Davon ließen wir uns jedoch den Appetit nicht verderben. Im Dinning Room des Ortes, dem Anschein nach ziemlich vornehm, Preise und Sitten aber durchaus einfacher, bestellten wir unser Essen. [singlepic id=121 w= h= float=right]

Die Pünktlichkeit dieses Mahles versuchte jetzt eine Herde Wapiti-Hirsche zu behindern, die sich auf der Wiese vor der Glasfront des Speisesaales ihr Fressen suchte. Dieses Geschehen nahm nicht nur die Gäste, sondern auch die Bedienung sehr in Anspruch. Wahrscheinlich ein Zeichen dafür, daß dieser Besuch nicht alltäglich war.

Wir schafften unser reichliches Tacco-Gericht gerade noch rechtzeitig um nicht die Abfahrt zur nächsten Attraktion zu verpassen. Er ist in keinem Reiseführer eingetragen, auf keiner Karte verzeichnet und für uns trotzdem der Höhepunkt des Tages – der Boiling Rider. Ein kleines Stückchen außerhalb von Mammoth Hot Springs mündet eine heiße Quelle direkt in einen eiskalten Gebirgsbach. Nur ein winziges Schild ohne Entfernungsangabe am Parkplatz weist darauf hin. Nach ca. 15 Minuten Fußmarsch (für echte Amerikaner daher wohl unzumutbar) erreichten wir diese Stelle, wo auch noch 5-6 andere Badelustige in den Fluten herumsprangen. Also schnell umgezogen und hinein.

[singlepic id=101 w= h= float=left]Das Wasser hatte eine Temperaturskala von eiskalt bis sehr warm, zum Schwimmen war es zwar nicht tief genug, aber da ja auf dem Zeltplatz keine Duschen vorhanden waren, erfüllte es seinen Zweck trotzdem ausgezeichnet.

Ziemlich müde vom Planschen im warmen Wasser, fuhren wir nun zum Norris Geyser Bassin, wo neben unzähligen anderen auch der weltgrößte Geysir -Steamboat, also Dampfschiff, genannt- zu finden ist. Seine letzte große Eruption liegt aber schon eine Weile zurück, sie fand im Oktober 1991 statt. Die Fontäne erreichte damals eine Höhe von über 90 m. Zwischen den großen Eruptionen gibt es aber aller paar Minuten kleinere, optisch weniger eindrucksvolle, die Akustik -siehe Name- entschädigt aber.

Auf der Rückfahrt gerieten wir in einen Stau. Irgendwo weiter vorn hatte ein Bär die Straße überquert und die schwer bewaffneten Park-Ranger hatten alle Hände voll zu tun, damit der Bär so wenig Touristen wie möglich zu Gesicht bekam (oder umgekehrt !?).

Auf dem Zeltplatz angekommen, aßen wir noch schnell etwas und fielen dann geschafft in die Zelte.