Yosemite National Park

Mittwoch 22.09.93

Nachdem wir heute wieder sehr zeitig aufgestanden waren, frühstückt und den Van beladen hatten, fuhren wir unmittelbar hinter dem Ort steil in die Berge hinauf.

Der Kraftstoffverbrauch unseres Fahrzeuges lag übrigens bei durchschnittlich 40 Litern auf 100 km, bei eingeschalteter Klimaanlage, also fast immer, kamen noch gute 5 l dazu.

Bei reichlich 3000 m hatten wir den Tioga Pass erreicht. Dieser Pass bildet gleichzeitig den Eingang zum Yosemite Nationalpark.

[singlepic id=99 w= h= float=left]Dieser Nationalpark bezieht seinen besonderen Reiz von den riesigen durch Gletscher geformten Felsmassiven und den tiefen engen Tälern. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich das Yosemite-Tal zu einer Touristenattraktion entwickelt. Naturschützern wie John Muir ist es zu verdanken, daß das Gebiet 1890 zum Nationalpark erklärt und damit vor noch schlimmeren Fehlentwicklungen geschützt werden konnte. Denn heute ist der Park, insbesondere aber das eigentliche Yosemite-Tal, der Heimsuchung von jährlich 3,5 Millionen Besuchern ausgesetzt. Diese Besucher wollen essen, schlafen und mit ihrem Auto fahren. Demzufolge hat sich eine regelrechte „Tourismus-Industrie“ im Tal angesiedelt. Was das für die Natur bedeutet, dürfte klar sein. Noch leben wenige Grizzly-Bären und andere seltene Tiere da, wahrscheinlich aber nicht mehr lange.
Das neben dem Yosemite-Tal liegende Hetch-Hetchy-Tal, dessen Naturschönheit einst eben so berühmt war, wurde schon von genialen Menschen mit einer Staumauer verschlossen und dient jetzt als Trinkwasserreservoir für San Francisco.

Unser erster Anlaufpunkt im Park waren die Riesen-Seqouias bei Tuolumne Grove. Nachdem wir in einer viertelstündigen „Wanderung“ ins Tal abgestiegen waren, sahen wir diese imposanten Baumriesen, die ein durchschnittliches Alter von 2000 Jahren auf der Rinde haben.

In früheren Jahren wurde eifrig darüber gewacht, daß diesen Bäumen kein Waldbrand zu nahe kam. Die neuere Wissenschaft nun hat herausgefunden, daß diese Bäume aber ab und an ein kleines Feuerchen benötigen, um sich richtig weiterentwickeln zu können. Deshalb wurden in diesem Tal an verschiedenen Stellen kleinere kontrollierte Waldbrände unterhalten und die Touristen auf Schildern darauf hingewiesen, daß es unnötig sei, die Feuerwehr zu alarmieren.

[singlepic id=96 w= h= float=left]Unsere Mittagspause verbrachten wir dann im Yosemite-Tal unterhalb des Felsens „El Capitan“, der hier über 1000 m in die Höhe ragt, und an dessen Hängen immer Bergsteiger zu entdecken sind, die für den Aufstieg ungefähr eine Woche benötigen. Wir aßen wieder mitgebrachte Schnittchen, die uns eigentlich schon zum Halse heraushingen. Das amerikanische Brot ist nämlich nicht mit dem zu vergleichen, was wir unter Brot verstehen. Durch irgendwelche Treibmittel ist es wunderbar haltbar und schwammig, das sehr seltene Schwarzbrot genauso wie das Weißbrot, der Geschmack ist sowieso der gleiche. Den Erdhörnchen an unserem Rastplatz schien das jedenfalls nichts auszumachen, sie freuten sich über jeden Bissen, der für sie übrigblieb.

Nach der Mittagspause teilte sich unsere Gruppe, Sandra und Heike wanderten zum Vernal-Fall, wir -der faule Rest- [singlepic id=120 w= h= float=right]ließen uns von Bart zum Glacier Point fahren. Für die beschwerliche Fahrt um viele enge Kurven wurden wir dann aber mit einem phantastischen Blick über das Yosemite-Valley belohnt. Auch die Tatsache, daß die hier oben am häufigsten gehörte Sprache Sächsisch war, konnte uns die Freude nicht nehmen. Sicherlich ist der Aufstieg zu Fuß noch viel schöner. Der Wanderführer gibt dafür eine Zeit von 3 bis 4 Stunden an, das ist auch nur doppelt soviel wie wir mit dem Auto gebraucht haben. Der zu überwindende Höhenunterschied beträgt 975 m. Da haben wir auch schon Schlimmeres gemacht.

Nachdem wir wieder ins Tal gerollt waren, hielten wir uns noch kurze Zeit im Yosemite Village auf – furchtbar viele nervende Touristen. Im Visitor Center deckten wir uns mit Informationsmaterial und Souvenirs ein. Dann machten wir einen kurzen Abstecher zum Yosemite Fall, der zu anderen Jahreszeiten mit seinen sich über 500 m in die Tiefe stürzenden Wassern sehr eindrucksvoll sein muß, im September aber fast vollständig trocken liegt. Nun mußten wir Abschied von diesem, trotz allem, herrlichen Stück Natur nehmen, denn vor uns lag noch eine Strecke von reichlich 100 Kilometern bis nach Sonora. Dort bauten wir in der Dunkelheit am New Melones Lake, einem Stausee mitten in der Wüste, unsere Zelte auf.