2. Juni – Detroit und Graduation
]Relativ spontan kam uns die Idee, heute vormittag nach Detroit zu fahren. Entgegen Tinas Befürchtung hatten ihre Gasteltern nichts dagegen, dass wir uns ein paar Stunden frei nahmen.Mir war das auch ganz recht, ich wollte erst einmal mit dem doch etwas gewöhnungsbedürftigen Handling unseres Autos zurechtzukommen lernen. Insbesondere die Bremse wollte ich, möglichst ohne großes Publikum, beherrschen lernen.
Zuerst fuhren wir nach Monroe in der Hoffnung, hier ans Ufer des Erie-Sees zu kommen. Das war leider nicht so ohne weiteres möglich. Dort, wo eine Strasse in einem öffentlichen Wohngebiet bis in Seenähe heranführte, herrschte striktes Park-/bzw. Halteverbot. Pech gehabt! Also fuhren wir direkt nach Detroit. Die Vororte sahen wirlich erst einmal ziemlich gruselig aus: riesige Industrieanlagen, die jede Menge Dreck in die Gegend bliesen, erschreckten uns schon ersteinmal.
In der Innenstadt, wo wir auch schnell einen Vertrauen erweckenden, bewachten Parkplatz entdeckten, auf dem wir unser Auto für 5 $ guten Gewissens stehen lassen konnten, war davon allerdings fast nichts mehr zu sehen.
Aufs Geratewohl spazierten wir los, bis wir auf eine Station des People-Mover stießen. Diese Hochbahn umkreist das Stadtzentrum, was uns gerade recht kam, den sehr viel Zeit hatten wir nicht zur Verfügung. Für 5 Dollar kauften wir 10 Tokens, von denen einer jeweils eine Person zu einer beliebig langen Fahrt ohne Unterbrechung berechtigte.
Ursprünglich hatten wir vor, erst einmal eine komplette Runde zu drehen und uns dann zu entscheiden, wor wir aussteigen und uns genauer umsehen wollten. Da die Fahrt aber doch länger dauerte als erwartet, stiegen wir am GM-Complex aus, wo der General-Motors Konzern am Flussufer seinen Sitz hat. Hier spazierten wir durch die Ausstellungshallen zur Riverfront, machten ein paar Fotos und wollten unsere Fahrt mit dem Mover fortsetzen. Dort saßen wir allerdings eine halbe Stunde im Wagen und nichts passierte. Also beschlossen wir zu Fuß weiterzugehen.
Tina wollte gern ins Hard Rock Cafe, dessen Werbung wir unterwegs gesehen hatten. Als wir diesen Punkt abgehakt hatten und Tina ein neues Shirt besaß, sahen wir, dass die Bahn wieder fuhr. Also ließen wir uns die verbleibende Station zu unserem Parkplatz in Greektown fahren.
Es ist unübersehbar, dass Detroit in einer schweren Krise steckt; viele heruntergekommene Gebäude bzw. Brachflächen auf denen früher große Teile der Stadt standen, begegnen einem überall im Stadtbild. Aber zumindest am helllichten Tag war es nicht so, das wir uns unsicher fühlten. Dazu trugen sicher auch die zahlreichen und allgegenwärtigen Polizisten bei.
Zurück in Ida wartete ein reichlich gedeckter Mittagstisch auf uns und wir lernten weitere Mitglieder der großen Familie und endlich auch Tinas Gastpapa Jerimy kennen.
Nach einer kurzen Mittagspause führte uns Tina zu ihrer Schule, wo wir uns ansehen konnten, wo sie im vergangenen Jahr einen Großteil ihrer Zeit verbrachte. In der Schule lief uns auch noch ihre Mathe- und Englischlehrerin Mrs Nowak über den Weg, die uns erzählte, was für eine aufgeschlossene und interessierte Schülerin Tina doch ist.
Abends fand dann in der dafür festlich herausgeputzten Turnhalle die feierliche Graduation statt. Dabei erhalten die Schüler der 12. Klasse, die Tina hier besuchte, ihre Abschlusszeugnisse.
Trotz der hohen Temperatur, der schon nach 20 Minuten verbrauchten Frischluft und der bereits nach 5 Minuten quengelnden Gastgeschwister war das ganze für uns ein großes Erlebnis. Den Reden, zumindest der Schüler nach zu urteilen, sind diese aber offensichtlich eher froh über den göttlichen Beistand beim Erreichen ihrer guten Ergebnisse als stolz auf ihre eigenen Anstrengungen bzw. die ihrer Eltern, Freunde und des restlichen Umfeldes….
Nach der Feier machten wir zu Hause im Garten noch ein paar Fotos, leider wurde es aber schon mächtig dunkel. Anschließend saßen wir noch eine Weile mit Tinas Gasteltern und ihren Großeltern zusammen und unterhielten uns und hatten gemeinsam viel Spaß.
