4. Juni – Die Party
Heute sollte nun die große Graduations- und Abschlussfeier stattfinden. Also fingen wir an, den Garten von allerlei Gerümpel zu beräumen, holten Möbel vom Boden und richteten alles ziemlich festlich her. Im Garten bauten wir ein Lagerfeuer für den Abend auf.
Dann fiel Tracy plötzlich ein, dass sie zwar eine Zuckerwattemaschine hatte, jedoch keine Zutaten. Sie wusste auch ungefähr, wo so etwas zu holen war. Allerdings war vollkommen unklar, ob es sich bei den Namen, die sie uns, leicht entnervt, hinknallte, um Straßen-, Firmen- oder Familiennamen handelte. Da Jerimy genauso ratlos war wie ich, beschlossen wir, erst einmal loszufahren. Unterwegs gab ich dann die Namen der Reihe nach ins Navi ein und fand so zumindest eine übereinstimmend heißende Straße in Monroe. Dort fanden wir dann auch eine nette Frau beim Autowaschen, die uns das Zeug zu, meiner Meinung nach, völlig überteuerten Preisen, übergab.
Unterwegs konnte ich mich sehr nett mit Jerimy unterhalten, der mir einen Großteil seiner Lebensgeschichte erzählte und viele Fragen zum Leben in Deutschland hatte.
Anschließend wurden wir noch zu ein wenig Küchenarbeit eingeteilt, dann kamen so nach und nach die ersten Gäste.
Wider Erwarten entwickelte sich eine ganz ungezwungene, sehr angenehme Partystimmung. Immer wieder kam Besuch, alle brachten Geschenke für Tina und die meisten auch etwas mehr oder weniger Leckeres für das Büfett mit. Nicht alle blieben lange. So war Tinas etwas vornehmere Schulfreundin doch sichtlich entsetzt über die Wasserbombenschlacht.
Zwischendurch konnte man sich im Pool abkühlen. Später wurde ich dann gefragt, ob ich mit Horseshoe-Pit (Hufeisenwerfen) spielen will. Keine Ahnung wie das geht, aber alle waren ganz begierig zu erklären. Man steht sich in ungefähr 50 m Abstand gegenüber, einer aus jedem Team auf jeder Seite und versucht mit dem Hufeisen so nah wie möglich an einen im Boden steckenden Stab zu treffen. Im Idealfall bleibt das Eisen daran hängen. Wenn man den Bogen einmal raus hat, war es gar nicht soo unmöglich, wie ich erwartet hatte.
Später kam jemand aus dem Dorf auf die Idee Slip ´n Slide zu spielen. Zu diesem Zweck holte er eine riesige stabile Plastikplane, ca. 4m x 30 m. Diese wurde laufend mit zwei Schläuchen bewässert und mit Babyöl noch etwas rutschiger gemacht.
Dann nimmt man ordentlich Anlauf, wirft sich der Länge nach auf die Bahn und rutscht auf dem Bauch so weit wie möglich. Im Nu werden Erwachsene zu kleinen Kindern. Alle hatten unendlichen Spaß.
Zwischendurch wurde gegessen und getrunken, schon bald musste jemand losfahren Biernachschub holen. Trotzdem war die Stimmung großartig, niemand benahm sich daneben, wie Tina es befürchtet hatte. Besondere Angst hatte Tina vor einem Spiel namens Beer-Pong.
Hier stehen sich zweimal zwei Spieler an einem langen Tisch gegenüber, vor jedem Team stehen ca. 20 etwa halbvoll mit Bier gefüllte Becher in Form eines Dreiecks aufgebaut. Nun wird abwechselnd versucht, einen Tischtennisball in einen der vor der gegnerischen Mannschaft stehenden Becher zu werfen. Wenn man trifft, muss einer aus der gegnerischen Mannschaft den Becher austrinken. Die Folge ist absehbar: je weiter das Spiel fortschreitet, desto mehr lässt die Zielgenauigkeit nach. Wenn das gegnerische Dreieck durch einige Treffer zu sehr ausgedünnt ist, darf man zweimal die Becher zu einem neuen Dreieck zusammenrücken lassen.
Obwohl wirklich ziemlich viel Alkohol floss, war die Stimmung immer noch ausgezeichnet, niemand fiel aus dem Rahmen und alle hatten viel Spaß.
Schließlich wurden die Beer-Pong Regeln so abgeändert, dass auch Tina mitspielen konnte. Zur Erinnerung: für unter 21-Jährige ist Alkohol ein absolutes Tabu. Also durfte Tina für jeden Becher, den sie nicht trinken wollte, einen Ersatztrinker bestimmen. Da es genug Freiwillige gab, konnte sie ganz unbeschwert spielen, zur Auflockerung auch mal den einen oder anderen Becher selbst runterwürgen und letztlich Wayne entthronen.
